Geschichte

Nach Vorgesprächen zwischen den Maltesern und Diakon Hug von der katholischen Kirchengemeinde (1998) findet ein erster Informationsabend am 27. Januar l999 statt. Menschen, die bereits Erfahrungen mit dem Sterben von Kindern haben, berichten. Besonders wichtig ist die Bereitschaft des Ehepaares Müller über die Erfahrungen beim Sterben ihrer Felicitas zu berichten. Am schwierigsten, so das Ehepaar Müller, "ist die Zeit, in der noch nicht feststeht, dass die Krankheit unheilbar ist und somit über kurz oder lang zum Tode führen wird." Erstaunlich und bemerkenswert war, so Wolfgang Müller, wie sie als Eltern in der Zeit der Krankheit und des Sterbens von Felicitas geführt wurden. Für Simone Müller, aber auch für Felicitas, war es wichtig, dass sie möglichst lange zu Hause, also in der vertrauten Umgebung, leben konnten. Felicitas ist schließlich auch zu Hause gestorben. "Uns wurde geholfen, dass unsere Tochter zu Hause in unseren Armen sterben konnte." Das war möglich durch die Hilfe des Kinderarztes und der häuslichen Kinderkrankenpflege, aber auch durch die Hilfe von Angehörigen und Freunden. Wobei sich der Freundeskreis in einer solchen Situation sehr verändert. Menschen, die bisher eher im Hintergrund waren, zeigen sich plötzlich als verlässliche Partner und Helfer. Sie nehmen sich Zeit, haben Geduld auch Launen auszuhalten und einen in schwierigen Phasen zu ertragen. Sie hören zu, machen Besorgungen, oder beaufsichtigen die Geschwisterkinder und bieten diesen eine Abwechslung von ihrem belasteten Alltag. Menschen, zu denen bisher eine oft intensive Beziehung bestand ziehen sich zurück, da sie mit der neuen Situation nicht zurechtkommen.

Ein weiterer Abend findet am 18. März statt. Petrus Ceelen, ehemaliger Gefangenenseelsorger auf dem Hohen Asperg und jetzt AIDS-Seelsorger in Stuttgart, berichtet über seine Erfahrungen mit Sterben und Tod.

Am 7. Juni 1999 beginnt für 15 Frauen und Männer unter Leitung von Bernhard Bayer und Georg Hug die Ausbildung zur Begleitung. Die Abende werden nach dem Modell des Kurses, den die Vereinigte Evangelisch-lutherische Kirche Deutschland in Celle (VELKD) entwickelt hat und nach dem die Malteser ihre Begleiter ausbilden, gehalten. Hintergrund bildet die "Emmaus-Geschichte" aus dem Lukasevangelium (Lk 24,13-35). Anhand dieser Geschichte werden die 8 Haltungen: "wahrnehmen", "mitgehen", "zuhören", "verstehen", "weitergehen", "bleiben", "loslassen", "aufstehen" vorgestellt und eingeübt.

Ab September 1999 werden die Teilnehmer unter anderem in Entwicklungspsychologie, Pädagogik und erste Hilfe beim Kind weitergebildet.

Ab Januar 2000 begleiten wir die ersten Kinder, bzw. Familien (siehe auch Begleitungen) und installieren einen runden Tisch mit Menschen, die Familien in solch schwierigen Situationen begleiten.

Im Februar 2001 veranstaltet der häuslicher Kinderhospizdienst zusammen mit dem katholischen Stadtdekanat Stuttgart in der Akademie in Hohenheim eine Fachtagung zum Thema: „Wenn Kinder sterben...“ Es geht darum die Situation des kranken Kindes, der Eltern, der Geschwister und weiterer Angehöriger in den Blick zu bekommen (siehe Zusammenfassung der Referate). Die Tagung soll Menschen, die Kontakt haben zu Familien mit schwerstkranken und sterbenden Kindern Hilfestellung geben, um sich mit den Anforderungen, die an die professionellen und auch ehrenamtlichen Begleiter gestellt werden, auseinander zusetzen.

Im Dezember 2001 feiern die Patinnen und Paten zusammen mit Schwestern der häuslichen Kinderkrankenpflege der Malteser einen Gottesdienst in dem sie der begleiteten Menschen gedenken. Für jedes Kind wurde eine Kerze gestaltet und diese dann entzündet.

Im Herbst 2001 werden von Bernhard Bayer und Georg Hug neue Patinnen und Paten ausgebildet, da die Anfragen nach Begleitungen mit den bisherigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht mehr bewältigt werden können. Ab April 2002 stehen insgesamt 20 Personen für die Begleitung zur Verfügung.

Im Jahr 2003 begleiten wir 13 Familien mit schwerstkranken und sterbenden Kindern bzw. Kindern, bei denen Angehörige sterbend sind, oder gestorben sind.

Mit Angela Härle, Clownin, veranstaltet der häusliche Kinderhospizdienst einen Clown-Schnuppertag. Es ist geplant Clowns auszubilden und diese in der Kinderhospizarbeit einzusetzen.

Der "Runde Tisch" - Kinderärztin, Kinderkrankenschwester, Klinikseelsorger, Sozialarbeiterin, Psychologin, Mitarbeiterin einer Beratungsstelle, Patin, betroffene Mutter,... – trifft sich regelmäßig um das Konzept des Kinderhospizdienstes weiter zu entwickeln.

Im August 2003 wird in Bad Grönenbach die Betreibergesellschaft gegründet, die ein stationäres Kinderhospiz für Süddeutschland in Bad Grönenbach betreiben soll. Der häusliche Kinderhospizdienst unterstützt dieses Projekt und wird dieser Gesellschaft möglichst bald beitreten.

AKuT wird in einem feierlichen Rahmen – im Kirchheimer Schloss unter Mitwirkung des Bundessiegers Jugend musiziert, Julian Gulden, und der Geschäftsführerin des Deutschen Kinderhospizvereins, Martina Lehmann-Geck -  der Öffentlichkeit präsentiert.

 

Zum Gottesdienst, in dem wir an die bereits verstorbenen Kinder oder Eltern und deren Familien denken, die wir begleitet haben und in dem wir um Kraft und Hilfe für die Familien bitten, die wir derzeit begleiten, sind erstmals auch die betroffenen Familien eingeladen.

Zusammen mit dem Arbeitskreis Kind und Trauer in Stuttgart, bei dem wir Mitglied sind, veranstalten wir (im April 2004) einen Vortrag und ein Seminar mit Anja Wiese und Uwe Sanneck zum Thema: Kinder begegnen dem Tod. Die Resonanz auf den Vortrag ist sehr groß und die Teilnehmer des Seminars sind begeistert.

 

Am 12. Mai 2004 beschließt der Gesamtkirchengemeinderat der katholischen Gesamtkirchengemeinde Kirchheim unter Teck, dass wir der Betreibergesellschaft des stationären Kinderhospizes in Bad Grönenbach  beitreten können. Der Diözesanverwaltungsrat bestätigt diesen Beschluss am 7. Juni 2004.

Auf dem 95. deutschen Katholikentag in Ulm (16.-20. Juni 2004) sind wir mit einem Stand präsent. Gemeinsam mit dem Verein Kinderhospiz im Allgäu und den verwaisten Eltern waren wir für Fragen und Gespräche da. Die Zusammenarbeit war sehr erfreulich und es gab viele gute Gespräche. Danke allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Auch die beiden Veranstaltungen "Wenn Kinder sterben" und "Unser Kind ist tot - und jetzt?" waren sehr gut. 

 

Nach zwei Schnuppertagen beginnt im Juni 2004 die Ausbildung von Clowns. Angelika Härle, selber Clownin, bildet Clowns aus, die zu den Familien kommen sollen. Im klinischen Bereich ist das bereits gute Praxis, jedoch nicht in er ambulanten Arbeit. Wir wollen hier versuchen einen neuen Weg zu gehen.

Anlässlich unseres 5jährigen Bestehens veranstalten wir am 24. Juli einen Familiennachmittag im Scharnhäuser Park in Ostfildern. Mit dabei ist der Clown August, die Band COMITAS, der Malteser Hilfsdienst e.V., die Hospizgruppe Ostfildern, der Treff für Alleinerziehende aus Kirchheim, uvam. Bei unserem Fest unterzeichnen wir eine Absichtserklärung, dass wir bei der nächsten Gesellschafterversammlung der Betreibergesellschaft des stationären Kinderhospizes Bad Grönenbach beitreten.

          

       

            

Im Herbst 2004 beenden wir die Ausbildung der dritten Gruppe von Patinnen und Paten. 15 neue Patinnen stehen bereit, um Familien zu begleiten.

Im Oktober 2004 findet eine bundesweite Kampagne zum Thema Kinderhospiz statt. Es wird die CD "Pass auf - Sing mit - Lieder und Geschichten für mehr Gesundheit" verkauft. Wir sind neben anderen Initiativen Partner dieser Kampagne. Der Erlös ist für die Kinderhospizarbeit und für das stationäre Kinderhospiz im Allgäu. Wir sind Partner der Kampagne.

  

Am 25. Oktober 2004 wird den Patinnen und Paten des häuslichen Kinderhospizdienstes in der Kreissparkasse Kirchheim/Teck der Ehrenamtspreis 2004 - starke Helfer überreicht. Die Stiftung der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen und die Regionalen Zeitungen zeichneten in diesem Jahr zum ersten Mal auch Initiativen aus Kirchheim aus und setzten den häuslichen Kinderhospizdienst auf den ersten Platz. Im Zuge dieser Preisverleihung wurden die Abgeordneten der Landkreise gebeten Patenschaften für die eingereichten sozialen Projekte zu übernehmen. Michael Hennrich, CDU-Bundestagsabgeordneter, übernimmt die Patenschaft für den häuslichen Kinderhospizdienst.

      

 

Die erste Phase der Ausbildung der Clowns wird im Herbst 2004 beendet.

Die TV-Sendung Alpha und Omega berichtet am 6./7./13. und 14. November 2004 über den häuslichen Kinderhospizdienst. Alpha und Omega wird in verschiedenen Sendern Baden-Württembergs ausgestrahlt. Unter anderem von: R.TV Böblingen, R.TV Karlsruhe, Bibel TV, RNFplus, TV Südbaden, EURO3.

 

Wenn ein Kind sterbenskrank wird, ist das ein Schicksalsschlag für die ganze Familie. Das bisherige Leben gerät für alle völlig aus den Fugen. Hier zu helfen hat sich die Kinderhospizarbeit vorgenommen. Moderator Volker Farrenkopf unterhält sich mit einem Ehepaar, das seine 6jährige Tochter nach dreijährigem Leiden an Leukämie verloren hat, und mit zwei Mitarbeitern des Kinderhospizdienstes in Kirchheim/Teck. Foto (v.l.n.r.): Marianne Schulz, Georg Hug, Volker Farrenkopf, Sabine Groß, Günther Groß

 

Georg Hug ist Referent zur ambulanten Kinderhospizarbeit bei den 1. Deutschen Kinderhospiztagen (künftig: Deutsches Kinderhospizforum) vom 14./15. 10. 2005, die der Deutsche Kinderhospizverein e.V. in Köln veranstaltet.

 

Georg Hug wird als Mitglied in die Fachgruppe Kinder des Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz (BAG Hospiz) berufen. Sie berät den Vorstand des DHPV (Deutscher Hospiz und Palliativ Verband vormals BAG Hospiz) in Fragen der Kinderhospizarbeit.

Der häusliche Kinderhospizdienst veranstaltet 2006 den ersten Kurs der Fortbildung Zusatzqualifikation Palliative Care für Kinder und Jugendliche in Aalen mit 19 Teilnehmern. Ein weiterer Kurs startet Frühjahr 2007, da die Nachfrage sehr groß ist.

Katharina Steck wird neue Koordinatorin im häuslichen Kinderhospizdienst, da Bernhard Bayer ins Stationäre Hospiz St. Martin nach Stuttgart-Degerloch wechselt. Dort verantwortet er den Fachbereich Kind, Tod, Trauer.

Nach langen Vorüberlegungen wird am 9. Mai 2007, dem Todestag von Bischof Georg Moser, in der Kapelle des Kirchheimer Schlosses, die Stiftung-Kinderhospizdienst gegründet. Sie soll langfristig die Arbeit des häuslichen Kinderhospizdienstes finanziell absichern. Die Stiftung Kinderhospizdienst ist eine Treuhandstiftung der Bischof-Moser-Stiftung. Sie muss jetzt mit möglichst viel Kapital ausgestattet werden, um ihre Aufgabe erfüllen zu können.

    

      

 

Im April 2008 können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fortbildung palliative care Kinder und Jugendliche ihre Zertifikate in Empfang nehmen.

Der häusliche Kinderhospizdienst ist Veranstalter der Fortbildung.

 

Die vierte Gruppe von Patinnen und Paten steht nach einer intensiven Vorbereitung im Mai 2008 für Begleitungen von Familien zur Verfügung.

 

Im September 2009 feiert der häusliche Kinderhospizdienst seinen 10.Geburtstag; mit Familien, die wir begleiten oder begleitet haben, mit den Patinnen und Beiräten, mit Vertretern der Träger (katholische Gesamtkirchengemeinde und Malteser Hilfsdienst e.V.), mit Vertretern der Politik und mit vielen Freunden und Interessenten.

Am 27. September 2009 erhalten die Clowns des häuslichen Kinderhospizdienstes den Caritas Preis 2009 des Caritas Verbandes der Diözese Rottenburg Stuttgart im Haus der katholischen Kirche in Stuttgart von Bischof Dr. Gebhard Fürst überreicht.

 

 

 

  

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